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Päivitetty 1.1.2002  –  Palautteet

Virittäjä-lehti  >  Hakemistot  >  Kirjoitukset ja tiivistelmät: 3/1996 (100)

Jorma Koivulehto (Universität Helsinki, Germanistisches Institut)

Wörter des Todes und des Lebens

Der Verfasser legt mehrere Etymologien vor, die in den meisten Fällen mit dem Schwund eines inlautenden -w- zwischen Vokalen in dreisilbigen nominalen Stämmen verbunden sind. In der Sequenz Vwe entsteht ein langer Vokal, in der Sequenz Vwi dagegen ein Diphthong auf i. Musterbeispiele sind: frühurfi. *tüwene > *tüüne > fi. tyyni 'windstill, Windstille' (vgl. daneben zweisilbiges fi. tyven id.), fi. oinas 'Schafbock <- balt. *avinas > lit. ãvinas 'Schafbock' (beide bereits bekannte Etymologien).

1. Fi. tuoni, Gen. tuonen 'Tod; Totenreich' (auch karel., estn., im Lappischen aus dem Finnischen entlehnt): < frühurfi. *towene <- germ. *dawini- bzw. bereits <- vorgerm. *dhow-(ey)e-ni- > an. dán (fem.) 'Tod'. Das germ. Wort ist eine regelrechte deverbale Ableitung auf -ni- von dem Verbstamm germ. *dauja- = *daw-ja- > an. deyja 'sterben' (vgl. Asgeir 105; Meid 117-118). Das o in der ersten Silbe des osfi. Wortes ist kein zuverlässiges Indiz einer bereits vorgerm. Entlehnung (mit noch idg. o), sondern kann auch ein germ. a reflektieren, das vor einem -w- eine leicht labiale Realisation gehabt haben kann. Auch das -e- in der mittleren Silbe ist zweideutig. Außer vorgerm. -(ey)e- kann es auch ein germ. langes _i reflektieren, denn es gab offenbar keine Stämme auf -ine, wogegen -ene ein normaler Ausgang war.

2. Estn. tõbi, Gen. tõve bzw. tõbe 'Krankheit, Seuche' (auch im Livischen): <- entweder 1) germ. *daw_ini-, wobei mit einer gekürzten Form ohne -ne im Estn. und Liv. zu rechnen ist (Parallelen dazu werden aufgezeigt); oder 2) <- germ. *daw_en- > *dawi > an. *dái in nisl. sví-dái 'selbst-tot', d.h. 'einen natürlichen Tod gestorben (von Haustieren)', akur-dái 'Galeopsis tetrahit', nnorw. dåe Galeopsis usw. (Asgeir 104; AneW 72; Hellquist 168); oder auch 3) <- germ. *dawa- > an. 'bewußtloser Zustand, Winterschlaf'. Zum Semantischen vgl. fi. tauti 'Krankheit' <- skand. *daudhi = an. daudhi 'Tod'. Der Übergang zum Stufenwechsel hat mehrere Parallelen.

3. Fi. tainio 'Ohnmacht; ohnmächtig', taintua 'in Ohnmacht fallen': <- späturn. *d_ain-; germ. *daw_ini- wurde später zu *d_ain(i)-, Gen. *d_anar, woraus dann an. dán 'Tod'; vgl. weiter auch germ. *dawena- > *d_ain- > an. dáin-n 'tot' (Pipping 1922: 98, 136-137). Die nominalen und verbalen Ausgänge sind finnische Suffixe. Zum Semantischen vgl. noch an. 'bewußtloser Zustand'.

4. Fi. uuhi, Gen. uuhen 'Mutterschaf': < frühurfi. *uwece < fiugr. *uwici <- idg. *(H)owi- 'Schaf' (s. näher Koivulehto 1991: 108).

Ableitungen auf das Suffix -ime:

5. Fi. seimi ~ soimi 'Krippe', Gen. seimen ~ soimen: < frühurfi. *sewime zu frühurfi. *sewe- 'essen' (> *söö > fi. syö-). Zum Semantischen vgl. got. uz-eta 'Krippe' zu germ. *eta- > got. itan 'essen', russ. jasli 'Krippe' zu balto-slav. *_ed- 'essen'.

6. Fi. toimi, Gen. toimen 'Arbeit, Geschäft, Tun, Tat; Gewebemuster; (veraltet) Ordnung' u.dgl.: < frühurfi. *towime, zu einem geschwundenen frühurfi. *towe- (> *too-) <- germ. *tauja- = *taw(e)ja- > got. taujan 'tun', bzw. <- vorgerm. *dow-ey-e/o- (bzw. *dow-y-e/o-). Das frühurfi. Grundverb mußte später schwinden, weil es homonym wurde mit *too- < *toxe- 'bringen, holen' (fi. tuo-).

Es gibt insgesamt nur drei finnische Nomina auf Vimi im Nominativ Singular (< Vime), und sie alle erklären sich als alte Ableitungen auf -ime: außer seimi, toimi noch taimi 'Pflanze' (zu *taje- 'biegen'). Dieser vokalische Stamm erscheint somit nur bei solchen Bildungen, deren zwei erste Silben kontrahiert werden konnten. Sonst weisen die Bildungen im Nominativ Singular konsonantischen Stamm auf: z.B. fi. pohdin, Gen. pohtimen 'Schwinge' zu pohta- 'schwingen'.

7. Fi. työ 'Arbeit', im Karel., Lüd., Weps. (Plur.) 'gereinigter oder ungereinigter Lein' (auch im Mordwinischen) < frühurfi.-mordw. *tewe: vermutlich <- germ. *tew(V)- bzw. vorgerm. *dew-, ein anzunehmendes e -stufiges Nomen (Wurzelnomen?) zu germ. *taweja- 'tun' (< idg. *dow-). Zum Semantischen vgl. an. 'ungereinigte Wolle oder ungereinigter Lein, Werg', schwed. dial. to id. < germ. *t_owa- (zu germ. *taweja-).